Blog von FOKUS auf FOKUS

Aktuelles und interessante Informationen zur Lerntherapie

Schulstress bei ADHS: Was Kindern wirklich hilft

"Warum macht mein Kind seine Hausaufgaben nicht"?

„Warum macht mein Kind seine Hausaufgaben nicht, obwohl es den Stoff eigentlich kann?“

Diese Frage stellen sich viele Eltern.

Bei ADHS liegt das Problem häufig nicht darin, dass ein Kind etwas nicht kann. Schwieriger kann es sein, sich für eine Aufgabe zu aktivieren, anzufangen und dranzubleiben – besonders dann, wenn die Aufgabe langweilig ist oder die Belohnung erst weit in der Zukunft liegt.

Das Belohnungssystem spielt eine wichtige Rolle

Bei ADHS arbeitet das Belohnungs- und Motivationssystem etwas anders. Dabei spielt auch der Botenstoff Dopamin eine wichtige Rolle.

Was interessant, neu, abwechslungsreich oder unmittelbar belohnend ist, kann deshalb besonders motivierend sein. Eine Aufgabe, deren Sinn oder Belohnung erst irgendwann später sichtbar wird, kann dagegen unglaublich schwerfallen.

Das erklärt auch, warum ein Kind beispielsweise stundenlang etwas spielen kann, aber zehn Minuten Hausaufgaben plötzlich wie eine unüberwindbare Hürde wirken.

„Du musst es einfach machen“ ist dann keine besonders hilfreiche Strategie.

Hilfreicher kann es sein, die Aufgabe selbst motivierender zu gestalten: kleine Ziele setzen, direktes Feedback geben, etwas Abwechslung hineinbringen oder eine unmittelbare kleine Belohnung vereinbaren.

„Aus den Augen, aus dem Sinn“

Auch das Zeitgefühl kann bei ADHS eine Rolle spielen.

Was erst nächste Woche wichtig wird, fühlt sich manchmal einfach noch nicht relevant an. Bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS wurden tatsächlich Schwierigkeiten in der Zeitwahrnehmung festgestellt – besonders bei längeren Zeitspannen.

Deshalb kann es helfen, aus „Du musst bis Freitag lernen“ etwas Konkreteres zu machen:

„Heute machen wir 15 Minuten – danach bist du fertig.“

Ein sichtbarer Timer, kleine Etappen und konkrete Zwischenziele können aus einer riesigen Aufgabe etwas Machbares machen.

Struktur und Abwechslung – beides ist wichtig

Kinder mit ADHS brauchen klare Strukturen. Sie sollten möglichst wissen, was als Nächstes passiert und was von ihnen erwartet wird.

Gleichzeitig kann zu viel Gleichförmigkeit die Motivation erschweren.

Struktur bedeutet deshalb nicht, dass alles immer gleich ablaufen muss.

Hilfreich können beispielsweise sein:

  • Aufgaben in überschaubare Schritte teilen
  • unterschiedliche Lernmethoden nutzen
  • kurze Arbeitsphasen einplanen
  • Abwechslung schaffen
  • sichtbare Zwischenziele setzen

Bewegung ist kein Störfaktor

Kinder mit ADHS profitieren häufig davon, wenn Bewegung Teil des Lernens sein darf.

Kurz aufstehen, sich bewegen, etwas holen oder für eine Weile im Stehen arbeiten: Solche kleinen Unterbrechungen können helfen, die Aufmerksamkeit wieder zu aktivieren.

Auch kleine Pausen sind wichtig. Ein Kind muss nicht erst „genug gearbeitet“ haben, bevor es sich bewegen darf. Pausen können ein Teil des Lernens sein.

Auch ein Fidget Toy kann dabei hilfreich sein. Es ist nicht die Lösung für ADHS, kann aber eine sinnvolle Unterstützung sein, wenn es dem einzelnen Kind hilft, bei der Aufgabe zu bleiben.

Eine gute Beziehung kann Motivation schaffen

Eine gute Beziehung zur Lehrkraft ist für alle Kinder wichtig. Bei Kindern mit ADHS kann sie jedoch eine besonders wichtige Rolle spielen.

Denn wenn Motivation stärker davon beeinflusst wird, ob etwas interessant, unmittelbar relevant oder emotional bedeutsam ist, kann auch die Beziehung zu einem Menschen ein wichtiger Motivator sein.

Wenn ein Kind eine Lehrkraft mag, sich von ihr gesehen fühlt und merkt: „Die Person glaubt an mich und möchte, dass ich es schaffe“, kann das einen Unterschied machen.

Das ist kein „Sonderbonus“ für ADHS-Kinder – auch neurotypische Kinder lernen besser, wenn sie sich wohl und angenommen fühlen. Bei ADHS kann diese emotionale Bedeutung jedoch besonders hilfreich sein, um Motivation und Mitarbeit zu unterstützen.

Gleichzeitig erleben Kinder mit ADHS im Schulalltag häufiger Konflikte und negative Rückmeldungen. Dadurch kann schnell ein ungünstiger Kreislauf entstehen: Schwierigkeiten führen zu mehr Kritik, die Beziehung wird belasteter und Lernen wird dadurch noch schwieriger.

Eine gute Beziehung kann helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Das bedeutet nicht, dass Lehrkräfte schuld sind, wenn ein Kind nicht arbeitet. Beziehung ersetzt weder klare Strukturen noch Lernstrategien. Sie kann aber eine wichtige Grundlage dafür schaffen, dass ein Kind sich überhaupt auf Lernen einlässt.

Schulstress reduzieren statt Druck erhöhen

Kinder mit ADHS brauchen nicht einfach mehr Druck.

Sie brauchen Bedingungen, unter denen Lernen für sie besser funktioniert:

klare Strukturen, etwas Abwechslung, Bewegung, Pausen, direkte Rückmeldung und eine gute Beziehung zu den Erwachsenen.

Nicht jeder Tag wird gleich gut funktionieren. Und das ist bei ADHS normal.

Das Ziel sollte deshalb nicht sein, dass ein Kind jeden Tag exakt gleich funktioniert.

Das Ziel ist, ihm zu helfen, auch an schwierigen Tagen lernen zu können.